Tagestipp | 17.02.2025 - Immunsystem durch visuelle Reize stärken
Um uns vor Krankheiten zu schützen, brauchen wir vor allem eines: Ein starkes Immunsystem. Das soll die krankmachenden Erreger unter Kontrolle halten. Forscherinnen der Uni Hamburg haben nun in einer Studie gezeigt, dass die Bildung von Antikörpern auch ganz viel Kopfsache sein könnte. Demnach reicht schon der Anblick von Menschen mit Erkältungssymptomen, um unsere Abwehrkräfte zu mobilisieren. Und darüber sprachen wir mit rbb GESUND Reporterin Sybille Seitz.
Was haben die Forscherinnen in der Studie genau gemacht?
Sie haben den Studienteilnehmern Videos von Menschen mit Erkältungssymptomen gezeigt, denen man auch richtig angesehen hat, dass es ihnen echt schlecht geht. Da wurde ordentlich gehustet und genießt, Rotz und Schnodder waren dabei.
Und während die Probanden sich also dieses ganze Elend angesehen haben, haben die Forscherinnen ihre Hirnaktivität gemessen und ihren Speichel untersucht, um herauszufinden, ob und wie ihr Immunsystem darauf reagiert. Wohlgemerkt nur auf die Videos. Zum Vergleich bekamen die Probanden noch Bilder von gesunden Personen vorgespielt oder Szenen ganz ohne Menschen.
Klingt etwas eklig. Und wie war das Ergebnis?
Die Nies- und Hustenvideos haben dazu geführt, dass die Probanden deutlich mehr Antikörper im Speichel hatten. Das Immunsystem hat also allein auf den Anblick von Erkrankten mit Atemwegsinfektionen reagiert, ohne dass irgendwelche Erreger aufgetreten wären. Wissenschaftler sprechen deshalb auch von einem zweiten Immunsystem, also eine Art zusätzlicher Abwehrschirm. Und dieses Extra-Bollwerk hängt mit unserem Verhalten zusammen. Wir halten lieber Abstand von Menschen, die erkältet sind oder zum Beispiel Masern haben. Der bloße Anblick so einer erkrankten Person scheint auszureichen, um unsere Abwehrkräfte zu mobilisieren. Und das Ganze scheint von bestimmten Regionen im Gehirn gesteuert zu werden.
Das klingt doch prima – ich gucke mir einfach jede Menge Videos mit erkälteten Menschen an und stärke so meine Abwehrkräfte! Oder?
So einfach ist es natürlich nicht. Das Ganze musss noch mehr erforscht werden. Vielleicht haben die Probanden weniger auf die Bilder von Erkrankten reagiert, sondern vielmehr auf deren Hust- und Nies-Geräusche.
beitrag : Sybille Seitz